Das Cappuccino-Portfolio

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Wenn man nicht so viel Geld zur Verfügung hat, kann es wie ein langer, schwieriger und komplizierter Weg aussehen, bis man finanziell abgesichert ist. Doch tatsächliche geht Vermögensaufbau relativ einfach. Alles was man braucht ist Zeit und das Geld für einen Cappuccino.

Der Sohn eines Freundes ist gerade mit der Universität fertig geworden. Mit Anfang 20 und seinem noch abzubezahlenden BAFÖG-Kredit hat Philipp so gut wie keine Rücklagen und ist kaum im Stande überhaupt irgendetwas zu sparen.

 

Neulich habe ich mich mit Philipp auf einen Kaffee getroffen und wir haben uns unterhalten. Während seines Studiums und beim Jobben nachts als Kellner ist er auf den Geschmack von Cappuccino gekommen (der Kaffee hält ihn gut wach).

 

„Was gibst Du so für Cappuccino aus, pro Woche?”, habe ich ihn gefragt. Nach kurzem Nachdenken antwortete er, dass er etwa zwei Cappuccinos pro Tag trinke, die kosten im Schnitt 3 €. Also macht das etwa 40 € die Woche oder 160 € pro Monat.

„Nun”, war mein Vorschlag: „wie wäre es, wenn Du Deinen Cappuccino aufgibst und stattdessen dieses Geld in einen Sparplan steckst?”

 

Philipp betrachtete mich skeptisch. Auf Koffein zu verzichten würde ihm schwer fallen. Und mal abgesehen davon konnte er sich nicht vorstellen, dass das Kleingeld, welches er für Cappuccino ausgibt, einen spürbaren Beitrag zur Verbesserung seiner langfristigen finanziellen Lage würde leisten können.

 

Den ersten Einwand räumte ich mit dem Vorschlag aus, sich immer zu Hause eine Kanne Kaffee zu brühen und diesen in einer Thermoskanne mitzunehmen. Den zweiten Einwand – dass das Sparen nichts nütze – parierte ich, indem ich ihm von der wunderbaren Kraft des Zinseszinses erzählte.

 

Mit einem Anfangsbetrag von 100 €, einer monatlichen Sparrate von 160 € und einer Verzinsung von 5 % würde sein Kaffeegeld bis zu seinem Rentenalter langsam auf eine Summe von einer viertel Millon € anwachsen. Ohne dass er einen Cent mehr sparen müsste, als das Cappuccino-Geld.

 

Wenn man davon ausgeht, dass nach seinem Abschluss sich jetzt auch sein Gehalt verbessern wird, kann er seine monatliche Sparrate wahrscheinlich auch auf 500 € aufstocken. In diesem Fall würden seine Ersparnisse bis zu seinem Rentenalter auf eine dreiviertel Millon € anwachsen. Und das ist eine konservative Schätzung.

 

Das klinge ja zu einfach, war seine Reaktion. Worauf ich erwiderte, das liege daran, dass es so einfach sei. Die Verzinsung, die er auf sein Erspartes bekommt, bleibt auch auf seinem Konto und wird im nächsten Schritt selbst wie Erspartes behandelt. Dadurch erzielt er eine Verzinsung auf seine Zinsen.

 

Die Voraussetzungen waren erstens, dass er früh mit dem Sparen beginnt. Zweitens, dass er durchgängig Monat für Monat einen kleinen Betrag spart. Und drittens, dass er sich in Geduld übt. Den Rest übernehmen Zeit und Zinseszins.

 

(Natürlich unterliegen auch die Einnahmen dieses jungen Mannes noch der Steuer. Aber bei dieser Übung ging es mir vor allem darum, ihm zu verdeutlichen, dass eine kleine Entbehrung, regelmäßig durchgehalten, im Lauf der Zeit zu beachtlichen Ergebnissen führt.)

 

Philipp spricht jetzt von seinem „Cappuccino-Portfolio”, wenn er über seinen Sparplan redet. Die anfänglichen Schmerzen des Verzichts auf seine teure Koffein-Gewohnheit wurden ihm inzwischen von der langsamen Röstung seines Spardepots genommen, das ihm einen entspannten Ruhestand verspricht.

 

Auch für uns, die wir viel älter als Philipp sind, hat diese Geschichte ein paar wichtige Lehren. Zu oft unterschätzen wir den positiven Effekt beständigen Sparens und der Geduld beim Vermögensaufbau. Gleichzeitig überschätzen wir zu oft Finanz-Schnickschnack, der uns aus den Medien entgegenschallt.

 

Das Auf und Ab der Märkte und auch das tägliche Getöse in den Medien können wir nicht beeinflussen. Aber wir können unser eigenes Verhalten beeinflussen. Mit ruhigem und stetigem Sparen und einem zuverlässigen Berater, der uns bei der Stange hält, gibt es keinen Grund, warum wir dabei nicht erfolgreich sein sollten.

 

Jetzt aber genug über Geld geredet. Wie wäre es mit einem Kaffee? Der nächste geht auf mich.

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